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Köln finale Part

[...Letzte Nacht hatte ich einen Traum, ein kleines Mädchen stand vor den Scheiben eines Spielzeugladens und presste sich ihre Nase platt. Ihr Blick war fest auf einen Gegenstand gerichtet der gar nicht weit von ihr entfernt war. Das kalte unscheinbare ja beinahe unsichtbare Glas war die einzige Distanz, die das Mädchen von ihrem Begehren trennte.

Hinter dem Schaufenster verbarg sich eine Puppe, auf dem ersten Blick unscheinbar doch bei genauerem Hinsehen war diese Puppe für dieses Mädchen von unschätzbarem Wert. Nicht weil das Mädchen kein Geld hatte diese Puppe zu kaufen, sondern weil die Puppe alles hatte was das Mädchen immer begehrte. Klare, warme und lieblichen Augen aus Porzellan, ein Kleid mit feinsten Rüschen und ein malerisches Gesicht. Das war aber nicht alles, das Mädchen fühlte sich wohl in der Gegenwart der Puppe, auch wenn es draußen bereits tiefster Winter war. Ihr Wunsch die Puppe fest in ihren Arm zu nehmen, zu drücken und nie wieder loszulassen war an diesem Tag größer als je zuvor doch sie traute sich nicht das Geschäft zu betreten.

Eines Tages nahm das kleine Mädchen all ihren Mut zusammen um die Puppe endlich zu kaufen doch die Puppe war nicht mehr an ihrem Platz. Das Mädchen war tief traurig und hoffte das die Puppe in guten Händen war...]

Das Frühstück in meinem Hotel ist alles andere als „ein guter Start in den Tag“ das Buffet ist eher klein und der Kaffee schlecht. Aber eine andere Reisegruppe schien sich köstlich zu amüsieren. Ich beobachte einige Minuten die Gruppe die ausschließlich aus Frauen bestand und erkannte recht schnell das sie nur über Gebärdensprache miteinander kommunizierten. Die Frauen lachten so wundervoll herzhaft jedoch konnte ich absolut nicht folgen was denn so lustig war. Die Botschaft jedoch war für mich eine andere. Die Frauen waren glücklich und es bedarf keiner Lautsprache dieser Welt, um mir dieses zu vermitteln.

Mein Aufenthalt in Köln war abgesehen von dem Hotel einfach wunderschön und eröffnete in mir viele Fragen. Verschiedene Fragen, Fragen die einen Ortswechsel in Betracht zogen. Eine Neuausrichtung in meinem Leben. Es ist die Mentalität in Köln die mich so herzhaft umarmt. Die Menschen sind freundlicher, entspannter und aus einen mir absolut unbekannten Grund auch viel Stressfreier. Berlin ist eine laute, unfreundliche Stadt und nach 29 Jahren Berlin kann ich mir diese Meinung auch erlauben. In Berlin Menschen Lachen zu sehen, ist eher selten und das Wort Ellenbogengesellschaft findet hier ihre „Daseinsberechtigung“ ich bin sehr kritisch, vielleicht zu sehr - das mag sein.

Als ich am Bahnhof auf meinen Zug Richtung „Zuhause“ wartete, zogen zuerst kleine immer größer werdende Seifenblasen an mir vorbei. Im Hintergrund der beeindruckende Kölner Dom. Diese Bild war so unfassbar malerisch und völlig unrealistisch. Wer stellt sich auf die Straße und zaubert den Menschen auf solcher Art ein Lächeln in ihr Gesicht - ich meine wir hatten -1 Grad Celsius. Es war ein Straßenkünstler, der mich auf einer völlig unerwarteten Art mit seiner Kunst zu Tränen rührte.

Dieser Moment, die Zeit schien stehen geblieben zu sein. Ich konnte die letzten Tage noch einmal Revue passieren lassen. Seifenblasen sind zerbrechlich, höchst sensibel. Die Kunst sie auf einer in Seifenlauge getränkten Leine zu balancieren und zu stimulieren ist aus meiner Sicht höchst anspruchsvoll. Es ist ein Akt der zum Scheitern verurteilt zu sein scheint - doch mit viel Gefühl und Vorsicht entstehen die schönsten Figuren die sich zum Schluss zu einer großen runden Blase vereinen können, Wunderschön!

Ich sitze jetzt in meinem Zug, die schneebedeckte Landschaft zieht an mir vorbei und Köln rückt immer weiter in die Ferne. Was hat Köln bei mir hinterlassen? Einen Eindruck! Definitiv - ich war selten nach einem Kurzurlaub so nachdenklich und hatte so gemischte Gefühle die ich erstmal sortieren musste. Ich möchte mich an dieser Stelle einfach für die schöne Zeit bedanken. Danke D.S.

Denny Peletier

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Kommentare: 1
  • #1

    MurvInTheCurv (Sonntag, 16 Dezember 2018 21:53)

    Ich finde toll wie du deine Erfahrung in deinem Block mit den Lesern teilst. Du zeigst dich wie immer offen und ehrlich und das sind Errungenschaften die ich sehr an die Schätze und beeindruckend finde.
    Ebenso muss ich mich bedanken das du uns durch diesen Eintrag etwas mitgenommen hast. Mir persönlich ist ein Bild vor Augen gewesen, wie der Künstler mit den Seifenblasen am kölner hbf stand und den Menschen einfach Freude bereitete und seine Kunst teilte. Ich habe es gerne gelesen. Besonders die Stelle mit den Frauen finde ich toll. Viele Menschen sehen Gebärdensprache kritisch und mit Vorurteilen. Wie du so schön gesagt hast, es ist egal. sie haben gelacht, und das ist doch mit das schönste auf der Welt!
    Danke das ich das lesen durfte!