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Der Bettler und die Schatzkammer Teil 2

Gefühlvoll streichelte die Prinzessin über ihren Handrücken. Es waren genau drei Monate vergangen, als der Bettler sie genau dort berührte. Inzwischen war die Prinzessin verheiratet und lebte in einem anderen Schloss. Sie war glücklich mit ihrem Prinzen doch ihre Gefühle für den Bettler waren ebenfalls genauso stark wie zuvor. Sie Schämte sich ihrer Gefühle und jeden Mittag, wenn die Sonne am höchsten Stand, musste sie an ihren Bettler denken. Sie konnte sich nicht erklären woher dieses Gefühl kam und warum es nicht wegginge. Seine Herzlichkeit und die Sorge um ihr Wohlbefinden umarmten die Prinzessin jede Nacht aufs Neue.

Oft ertappte sie sich dabei, wie sie kurz vor dem einschlafen an ihn dachte und ein warmes Gefühl breitete sich in ihr aus. Die Umarmungen und Küsse des Prinzen fühlten sich allerdings auch schön an. Sie hatte noch nie zuvor zwei Menschen auf dieser Art gleichzeitig geliebt, doch sie war sich ihrer Gefühle sicher.

 

 

Ihr Kopf war schwer an diesem Tage und ihre Hände waren leicht zittrig. Der Gedanke an ihren Bettler, machte sie emotionaler. Sie schickte all ihre Diener aus ihren Gemächern und legte sich verträumt auf ihr Bett. Ihr Blick war aus dem offenen Fenster gerichtet und die Sonne stand am höchsten Punkt. Sie wusste das genau jetzt in diesem Augenblick der Bettler am Brunnen auf dem Marktplatz auf sie wartete. Sie ertappte sich bei dem Gedanken, was geschehen würde, wenn sie das fremde Königreich, ihr Zuhause, einfach verlassen würde. Sich in die königliche Kutsche setzen und sofort losfahren würde. Sie hatte Verpflichtungen, ein Land zu regieren und denn war da noch der Prinz. Die Prinzessin ließ sich auf den Rücken fallen und schloss ihre Augen. Sie konnte die Augen des Bettlers vor ihr sehnen, sein Herz schlagen hören und diesen wunderbaren Duft riechen.

 

 

Dieser Moment war so kostbar und alle ihre Sorgen verschwanden kurz bis plötzlich die Tür zu ihrem Gemach aufgestoßen wurde. Der Prinz kam laut in das Zimmer, seine Stiefel schmutzig sein Umhang blutig. Er kam von der Jagd und prahlte einen goldenen Hirsch erlegt zu haben. Ohne dass die Prinzessin nachfragte, erzählte der Prinz von seinem Mord. Er setzte sich selbstverständlich auf das Bett der Prinzessin und forderte einen Kuss ein während er seine schmutzigen Stiefel auszog. Die Prinzessin hasste diese Momente. Sie liebte ihren Prinzen zwar, doch war sie nicht sein Eigentum, nicht seine Trophäe. Sie erwiderte den Kuss den Prinzen wie so oft, kühl und leidenschaftslos doch der Prinz merkte es gar nicht. Die Prinzessin gehörte ihm bereits und an Tiefgründigkeit war er zu dieser Stunde nicht interessiert.

 

 

Der Prinz war ein guter Mensch, das wusste auch die Prinzessin. Ihm fehlte es allerdings etwas an Tiefgang. Er war jeden Tag auf der Jagd und vernachlässigte seine Pflichten als liebender und fürsorglicher Ehemann. Die Prinzessin wusste, dass sie zu hart über ihn Urteilte doch war sie sehr viel tiefgründiger als er. Ihr war es egal ob jeden Abend deftige Speisen auf dem Tisch standen oder aber ob sie eine einfache Hühnersuppe zu sich nahm. Auch musste das Schloss für sie nicht wöchentlich umgebaut werden. Ihr reichte ein bescheidenes Leben in einer bescheidenen Burg. Sie wollte sich einfach nur geborgen fühlen. Sie liebte den Prinzen und ein Leben ohne ihn konnte sie sich nicht vorstellen, doch etwas zog sie langsam von ihm weg.

 

Am nächsten Morgen wachte die Prinzessin, wie so oft alleine auf. Der Prinz war bereits auf der Jagd und hiterließ nichts weiter als die Spuren vom Vortag. Natürlich hätte die Prinzessin einen Diener zum aufkehren des Schmutzes rufen können, doch so war sie nicht. Sie kehrte den Schmutz schnell selbst zusammen und brachte ihn in den königlichen Garten.

Sie liebte es durch die vielen Blumen zu laufen und die Vögel zwitschern zu hören. Der liebliche Duft der Blumen und das rauschen des Windes gab ihr das Gefühl frei zu sein. Sie drehte sich immer schneller und stellte sich vor, all ihre Sorgen einfach abzuschütteln, bis sie sanft auf den Rasen fiel. Alles um sie herum drehte sich und die Zeit schien für einen Moment still zu stehen. Ihre Gedanken waren endlich wieder frei und sie empfand tiefste Zufriedenheit.

 

 

Doch was die Prinzessin nicht Bemerkte war, dass sie beobachtet wurde. Eine vermummte Gestalt stand im Verborgenen und ihr Blick war fest auf sie gerichtet. Ihre Zähne waren Gelb und ihr Blick finsterer als die finsterste Nacht. Die Gestalt schien auf einen Moment der Unachtsamkeit zu warten.  

 

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