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Zodiac Dreams – Teil 2 Der Wald

Leise konnte der Widder einen Herzschlag an seinem Ohr hören, doch er konnte nicht zuordnen ob es sein eignes Herz war. Auch fehlte ihm die Kraft, seine Augen zu öffnen. Der Widder lag auf etwas Weichem und sein Kopf bewegte sich langsam auf und ab. In seine Nase drang ein lieblicher Duft und eine wunderbare Wärme durchflutete den Widder.

 

Das Huftier wusste nicht wie lange es schon im Wald war, wie lange es her war, dass der Pfeil ihn getroffen hatte. Viele Tage waren vergangen und die Zeit schien still zu stehen. Es war ein mystischer Wald, voller fremder Geräusche und eigenartigen Schattenspielen. Zuerst bemerkte der Widder die vielen fremden Geschöpfe nicht doch schon bald gewöhnte er sich an den Wald.

 

Lange lebte der Widder alleine und zurückgezogen in einer feuchten Höhle nahe dem Meer. Nie kam es dem Widder in seinen Sinn, den hohen Felsen zu verlassen und weitere Regionen dieser fantastischen Welt zu erforschen. Der abendliche Blick auf das Meer gepaart mit seinen Gedanken an die Vergangenheit, schien wie eine unsichtbare Kette den Widder an sein emotionales Gefängnis zu binden. Aus irgendeinem Grund, gelang es dem Widder diese Kette zu sprengen und aus seiner Routine auszubrechen. Oftmals liegt das Glück nicht am Ende eines Weges, sondern direkt am Wegesrand. Man muss sich nur trauen sich umzuschauen und für einen Moment stehen zu bleiben. Momente sind kostbar und jeder Moment, den der Widder in diesem Wald erlebte bedeute ihm viel.

 

Der Pfeil von dem der Widder getroffen wurde, war ein Pfeil der keine sichtbare Wunde erzeugte oder gar, eine Verletzung. Der Pfeil war eine wohltuende Energie, die der Widder nach langer Zeit wiederfand und es war jetzt an der Zeit genau diese Energie zu genießen.

 

Es war verrückt, Tage zuvor hätte der Widder nicht gedacht, überhaupt jemanden in diesem dichten emotionalen Wald zu treffen, beziehungsweise überhaupt durch die verwurzelten Gedankenstränge zu gelangen. Doch der Widder hatte es geschafft sich frei von allem zu machen und jetzt lag sein schwerer Kopf auf dieser wundervollen Brust.

 

Der Schütze, der den Widder getroffen hatte, war ein kosmisches Wesen. Mutig, zielorientiert und sein Lächeln strahlend heller als die Sonne, die den Wald nur selten durchdrang. Bereits bei ihrem ersten aufeinander Treffen schaute der Widder dem Schützen in seine Augen und konnte mehr sehen. Die Augen sind der Zugang zur Seele, desto klarer und strahlender sie waren, desto reiner war die Seele. Die Lippen, das einzige Körperteil welches die Fähigkeit hat, das Herz sprechen zu lassen. Desto schöner und voller sie waren, desto sanftmütiger war das Herz. Der Widder genoss jedoch nicht nur die klaren Augen und die wohltuenden Lippen, es war das gesamte Geschöpft, welches es Abend für Abend schaffte, dass das Huftier mit einem lächeln einschlafen konnte. Aber diese optischen Aspekte waren für den Widder nicht ausschlaggebend warum er sich tief in die Brust vergrub. Es war die Art, wie er immer wieder zum lachen gebracht wurde.

 

Der Widder war kein Wesen welches oft lachte oder viel Spaß empfand. Schuften, schlafen und wieder schuften. Viele Jahre bestimmte dieser Rhythmus das Leben des Widders und immer mehr seiner Persönlichkeit ging ihm verloren. Er funktionierte wie ein Zugtier, welches eine große Kutschte tag täglich eine holprige steigende Straße hinaufzog, ohne Dank, ohne Lob und ohne Menschlichkeit. Der Widder empfand für solch ein krankmachendes Leben nur noch Verachtung und war froh, dass sich die Wolken am Himmel bereits vor einiger Zeit gelichtet hatten und er wieder das klare Licht der Sterne genießen konnte.

 

Was die Zukunft dem Widder bringen würde, wusste er nicht. Aber das wollte der Widder jetzt hier in diesem Moment auch gar nicht wissen. In diesem Moment fühlte sich alles gut und richtig an und der Widder konnte zufrieden seine Augen schließen.

 

 

 

Fortsetzung folgt….

 

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